Der größte Teil der dort lebenden Menschen besitzt kein Land und ist ohne Arbeit. Sie sind stark verarmt und können häufig nicht lesen, schreiben und rechnen. Da das häufig brachliegende Land Großgrundbesitzern gehört, die in den großen Küstenstädten wohnen (Sao Paulo, Rio de Janeiro), haben die Bauern kein Land um ihre Familien zu ernähren. Also wandern sie in die nächsten Städte um dort in sogenannten Arbeitspensionen auf Arbeit zu warten ( Häufig sind auch Kinder und Frauen dabei).
Nach meilenweiter Fahrt finden sie sich auf einem Landwesen mit riesigen Gelände (Fazendas) im Urwald wieder. Den Weg zurück können sie nicht mehr finden und die nächsten Menschen sind mehrere Autostunden entfernt. Angekommen, wird den Landlosen dann von den Anwerbern und Aufsehern erklärt, dass durch die Anfahrt, die Unterbringung, die zur Verfügung gestellten Werkzeuge (die Arbeiter haben meistens nicht einmal ein Paar gute Arbeitsschuhe) und die Verpflegung Schulden enstanden sind, die zurückgezahlt werden müssen.
Also schnappt sich der anständige Brasilianer, dem seine Ehre viel bedeutet, seine Säge und fängt an, den Urwald zu roden, um Weideland für das Vieh zu schaffen bis zu 18 Stunden am Tag, 7 Tage pro Woche. Die gefällten Bäume liefern dann das Holz, mit dem in den anderen Staaten von anderen Sklaven die Hochöfen für die Stahlproduktion beheizt werden. Abends kochen sich die Schuldsklaven dann in den eigens gebauten Behausungen aus Palmenblättern das Essen mit den Lebensmitteln aus dem Fazendaladen.
Natürlich gibt es auch das Kilo Bohnen, das der Aufseher mit der Hand abgewogen hat, nicht umsonst und die Schulden wachsen (was die Arbeiter natürlich durch fehlende Rechen- und Lesekenntnisse auch nicht überprüfen können).

Gegen die Ungerechtigkeit zu protestieren traut sich keiner, das Gewehr auf der Ladentheke schreckt sie ab. Auch an Flucht ist nicht zu denken, die Aufseher reagieren schnell und gründlich auf das nur kleinste Zeichen eines Aufruhres. Denn so leicht wie die Arbeiter zu beschaffen sind, so leicht sind sie auch wieder zu beseitigen. Und wohin sollte der Arbeiter auch fliehen? Es würde Tage dauern, die er sich ohne Orientierung und Zielvorstellung durch den Dschungel kämpfen müsste, um zur nächsten Siedlung zu gelangen. Vorausgesetzt er würde nicht von den top bewaffneten Aufsehern und Spürhunden eingeholt und schaffte es, ber den Zaun zu klettern. So bleibt den Menschen oft nur die Möglichkeit sich weiter ausnutzen zu lassen und ihre Schulden steigen immer mehr an, während die Produktion in Brasilien wächst.
Als Tourist bekommt man die sozialen Umstände innerhalb des Landes selbstverständlich nicht mit, da man sich hauptsächlich in den geregelten Zonen aufhält und wenn man sich doch zufälligerweise in den Wilden Westen des Landes verirrt, wird man annehmen, dass der Zaun, der dort meilenweit durch den Urwald führt, die Rinder einsperren soll und nicht die Menschen. Einen scheuen, eingeschüchterten Arbeiter wird man in der riesigen Fläche aus Bäumen ganz bestimmt nicht sehen.
Jedoch gibt es auch viele Menschen die sich gegen die Sklaverei wehren und dagegen ankämpfen.